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Geschichte des Vereins 1889 – 2002 Aus der Festschrift zum 25jährigen Vereinsbestehen
Im Vorsommer des Jahres 1889 traten im Lokal der Ww. Franke (jetzt Erlemann)
mehrere Herren zu einer Vorbesprechung zusammen, zwecks Gründung eines Gesangvereins. Nach reger Aussprache und reiflicher Erwägung des Für und Wider wurde beschlossen, zunächst mit weiteren Kreisen Fühlung zu
nehmen und dann eine neue Versammlung anzuberaumen. Diese fand statt am16. Juni 1889. Das Ergebnis der Beratungen war die Gründung des Vereins, der am genannten Tage unter dem Namen ”Männergesangverein
Nordenfeldmark” ins Leben trat. Zweck desselben sollte in erster Linie sein, die Pflege des mehrstimmigen Männergesanges sowie Belebung des geselligen Vergnügens. Die in der Gründungsversammlung vorgenommene erste
Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Kuhlmann 1., Birtz 2. Vorsitzender, K. Dödterl. und K. Vogel 2. Schriftführer und Karl Pröpper Kassierer. Zum Dirigenten wurde Herr Albert Kleinsorge ernannt, der sich um das
Zustandekommen des Vereins große Mühe gegeben hatte. Das erste Auftreten des jungen Vereins erfolgte am zweiten Weihnachtstage 1889 im Saale des Wirtes Schneider (jetzt Drees). Das Dargebotene erntete reichen
Beifall und hatte den Erfolg, dass die Zahl der Vereinsmitglieder stetig zunahm. Im August1891 wurde das erste Sommerfest des Vereins durch ein Vokal- und Instrumentalkonzert, verbunden mit Fahnenweihe,
gefeiert. Das Fest nahm unter zahlreichem Besuch der Bürgerschaft einen allseitig befriedigenden Verlauf. Von nun an ist es dem Verein vergönnt gewesen, alljährlich die üblichen Feste unter reger Anteilnahme der
Mitglieder und der Bevölkerung zu feiern. Der Verein hatte auch mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen, zumal ein großer Teil der Sänger Bahnbeamte und Arbeiter waren, die wegen ihres unregelmäßigen Dienstes am
Besuch der Gesangstunden recht oft verhindert waren. Trotzdem konnte der Verein wiederholt bei kirchlichen und patriotischen Feiern durch gesangliche Darbietungen mitwirken und auch an den Festen der Brudervereine
teilnehmen. Nach Errichtung der Herz-Jesu-Pfarrei übernahm der Verein auch den Kirchengesang, bis in späteren Jahren ein selbständiger Kirchenchor sich bildete. Am 20. Februar1903 wurde das 25jährige
Papstjubiläum Papst Leo XIII. von den katholischen Pfarrgemeinden Hamms festlich begangen. Aus Anlass dieses Ereignisses fand eine gemeinsame Feier unter Mitwirkung der kath. Männergesangvereine statt, bei der auch
unser Verein mitwirkte. Bei der Feier des 50jährigen Priesterjubiläums Papst Pius X. am 20. September 1908 nahm der Verein durch Mitwirkung bei den gesanglichen Darbietungen teil.
Der Westfälische
Provinzialsängerbund, welchem der Verein im Jahre1908 beigetreten ist, feierte am 3. und 4. Juli 1910 am Fredenbaum in Dortmund sein erstes Bundesfest. Ein Chor von 5000 Sängern, dem sich auch unser Verein
angeschlossen hatte, brachte unter der Leitung des Königlichen und Städtischen Musikdirektors Herrn Laugs-Hagen und des Universitäts-Musikdirektors Dr. Niessen-Münster in der eigens zu diesem Zweck errichteten
Festhalle mehrere größere Chöre zu Gehör.
Im Jahre 1909 konnte die Grafschaft Mark auf ihre 300jährige Zugehörigkeit zur preußischen Krone zurückblicken. Aus diesem Anlass fand auf der Hohensyburg eine große
Feier statt, wobei auch der Kaiser und die Kaiserin zugegen waren. Bei dieser Gelegenheit trug ein Chor von1500 Sängern des Westfälischen Provinzial Sängerbundes unter Mitwirkung unseres Vereins einige Lieder vor.
Aus demselben Anlass fand im Mai des gleichen Jahres auf dem hiesigen Bürgerschützenhof eine Gedenkfeier statt. Von den vereinigten Gesangvereinen Hamms wurden dabei mehrere Chöre zu Gehör gebracht, wobei auch
unser Verein mitwirkte. Am 18. Oktober1913 wurde von der Stadt Hamm aus Anlass der100jährigen Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Hardinghauser Knapp ein Freudenfeuer abgebrannt.
Sämtliche Gesangvereine Hamms unter der Leitung des Königlichen Seminarmusiklehrers Herrn Fick trugen durch ihre gesanglichen Darbietungen zur Verschönerung der Feier bei.
Im Mai 1912 wurde der Name des
Vereins in Gesangverein ”Konstantia” abgeändert.
Soweit die Festschrift zur 25jährigen Jubelfeier.
Die Feier zum 25jährigen Vereinsbestehen fand am Sonntag, dem 28. Juni1914 im Lokal Erlemann statt,
verbunden mit einem Festkonzert unter der Leitung des Dirigenten Herrn Lehrer Josef Cordes. Hierbei wirkten als Solisten Herr Kaufhold, Dortmund (Tenor) und Herr Kleinsorge, Offenbach (Bariton), sowie die
Stadtkapelle Münster unter der Leitung von Musikdirektor Viegener mit. Bei der Jubilarehrung konnten 5 Mitglieder, die seit der Gründung dem Verein ununterbrochen angehört hatten, für 25jährige Mitgliedschaft
ausgezeichnet werden. Es waren dies K. Pröpper, A. Schröder, J. Steins, A. Thiemann und A. Westerhoff. Kurze Zeit nach diesem Jubiläum wurde die Vereinsarbeit durch den1. Weltkrieg jäh unterbrochen.
Nach Kriegsende fanden sich die Sänger sofort wieder zusammen, um den Verein zu neuem Leben zu erwecken. Bereits 1921 zählte der Verein wieder 242 aktive und passive Mitglieder. Am12. Mai1929 konnte der Verein sein
40jähriges Vereinsbestehen feiern. Aus diesem Anlass fand im Saal des Lokals Erlemann ein großes Festkonzert statt. Zum Chor gehörten zu dieser Zeit 65 aktive Sänger. Am 10. März1934 wurde ein Frauenchor gegründet,
dem sich eine stattliche Anzahl Frauen anschloss. So war es möglich, die alljährlich stattfindenden Konzerte abwechslungsreich zu gestalten. Am12. Deutschen Sängerbundesfest1937 in Breslau nahm eine Abordnung
des Vereins mit der Vereinsfahne teil. Im Jahre 1939 konnte der Verein auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Ereignis sollte festlich begangen werden. Die Vorbereitungen hierfür waren in vollem
Gange, als der 2. Weltkrieg ausbrach und der Tätigkeit des Vereins wiederum ein jähes Ende setzte. Dieses Ende schien vollkommen, als das Vereinslokal Erlemann völlig ausbrannte. Dabei wurden sämtliches
Notenmaterial sowie fast alle Vereinsunterlagen vernichtet. Die Vereinsfahne aus dem Jahre 1891 allein überstand auch den 2. Weltkrieg. Dem damaligen Vorsitzenden Clemens Bender ist es zu verdanken, dass der
Verein bereits Anfang 1946 den Gesangstundenbetrieb wieder aufnehmen konnte. Die vorläufige Leitung des Chores übernahm bereitwillig der Ehrendirigent Herr Josef Cordes. Da das Notenmaterial völlig zerstört war und
neue Noten zu der Zeit nirgendwo zu kaufen waren, behalf man sich zum Teil mit selbstgeschriebenen oder von anderen Vereinen ausgeliehenen Noten. Dem unermüdlichen Bemühen des damaligen Vorsitzenden Cl. Bender ist
es auch zu verdanken, dass der Verein schon nach kürzester Zeit wieder über eine reiche Auswahl an eigenem Notenmaterial verfügte. Als im Jahre 1947 der Ehrendirigent, Herr Cordes, bat, ihn vom Amt des Chorleiters
zu entbinden, erklärte sich Herr Adolf Mühlenschulte bereit, dieses Amt zu übernehmen. Im Jahre1948 veranstaltete der Verein sein erstes öffentliches Konzert nach dem Kriege. Da im nördlichen Stadtteil kein Saal zur
Verfügung stand, fand dieses Konzert in einem Zelt im Hofe des Vereinslokals statt. Weil das 50jährige Vereinsbestehen nicht mehr gefeiert werden konnte, entschloss man sich, im Jahre 1949 das 60jährige Bestehen
festlich zu begehen. Unter Teilnahme mehrerer Hammer Gesangvereine fand am 18. September1949 in einem Zelt im Hof des Vereinslokals ein Festkonzert statt. Tags zuvor wurden im Verlaufe der Festveranstaltung 2 Sänger
für 50jährige Mitgliedschaft,1 Sänger für 40jährige und 21 Sänger für 25jährige Mitgliedschaft geehrt und ausgezeichnet. Auch in den folgenden Jahren fanden die Konzerte in einem Zelt statt.
Ein Zelt
ist, zumal für ein Chorkonzert, kein geeigneter Ersatz für einen Saal. Da aber in Hamm-Norden kein Saal zur Verfügung stand, entschloss man sich1954, ein Konzert im Kurhaussaal zu veranstalten. Dieses erste Konzert
im Kurhaus fand großen Anklang bei der Bevölkerung. Die Eintrittskarten hierfür waren bereits vor dem Konzert ausverkauft und der Kurhaussaal beim Konzert selbst bis auf den letzten Platz besetzt. Dieser Erfolg gab
den Anlass dazu, nunmehr alljährlich im großen Kurhaussaal ein Konzert zu veranstalten. Dass diese Konzerte in weiten Kreisen der Bevölkerung großen Anklang gefunden hatten, beweist die Tatsache, dass der große
Kurhaussaal fast immer voll besetzt war. Im Jahre 1955 konnte sich der Verein ein eigenes Klavier anschaffen. Als im Jahre 1957 der Verein den Betrieb einer hiesigen Brauerei besichtigte, traf man dort den
Männergesangverein Iburg 1891, der ebenfalls zu einer Besichtigung der Brauerei nach Hamm gekommen war. Die beim Gesang dort geschlossene Freundschaft hat schon gute Früchte getragen, denn schon im Sommer des
Jahres1958 war der Verein Gast bei den Sängern in Iburg, um mit ihnen ein gemeinschaftliches Konzert zu veranstalten. Der Chor aus Iburg nahm daraufhin eine Einladung nach Hamm gerne an und wirkte bei unserem
Konzert am 4. Oktober 1959 erfolgreich mit. Die Sänger aus Iburg haben sich auch gern bereiterklärt, bei unserem Festkonzert am 6. September 1964 anlässlich des 75jährigen Vereinsbestehens mitzuwirken. Zur
Eröffnung der Feierlichkeiten zum 75jährigen Bestehen des Vereins fand am 6. September 1964 im großen Kurhaussaal ein Festkonzert statt. Mitwirkende waren der Männergesangverein Iburg, der Opernsänger Bodo
Müller-Grosse von den Städt. Bühnen Osnabrück und das Orchester Heinrich Robert. Das Konzert war sehr gut besucht und die Darbietungen fanden großen Anklang bei den Zuhörern. Dieses wurde durch die positiven
Kritiken der Tageszeitung bestätigt. Die eigentliche Jubiläumsfeier war am13. September1964 im Ballsaal des Kurhauses. An der Feier nahmen teil der Oberbürgermeister Werner Figgen, der Vorsitzende des Sängerbundes
Nordrhein-Westfalen, Erich Schuhmacher, und der Vorsitzende des Sängerkreises Hamm, Konrad Althaus. Mit eindrucksvollen Festansprachen wurden die besonderen Leistungen des Vereins gewürdigt. Abgerundet wurde diese
schöne Feier durch Liedvorträge folgender Gesangvereine: MGV Hamm-Nordenfeldmark, Quartettverein Liedertafel 1845, MGV Arion, Volkschor Bockum-Hövel, Männergemeinschaft 1873 Sängerlust, MGV Werries und den MGV
Ostwennemar. Für die zu einer gelungenen Feier dazugehörige Stimmung sorgte der anschließende Sängerball. Zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten wurden am 26. September im Vereinslokal Dieckmann der 1.
Vorsitzende Heinrich Lange und der Sangesbruder Willi Lange für 40jährige Sängertätigkeit mit der Ehrennadel des Sängerbundes ausgezeichnet. Für 40jährige Vereinszugehörigkeit wurde den Sangesfreunden Ferdinand
Schade und Theodor Pälmke die goldene Vereinsnadel überreicht. Der Chorleiter, Herr Mühlenschulte, bekam für 25jährige Dirigententätigkeit die Ehrennadel und Urkunde des Sängerbundes. Die folgenden 25 Jahre
brachten dem Verein viele Höhepunkte, die im Rückblick dazu berechtigen, eine stolze Bilanz zu ziehen. Es würde zuviel, alle Konzerte und gesanglichen Veranstaltungen des Chores einzeln aufzuzählen, beschränken wir
uns darum auf eine grobe Zusammenfassung. In jedem Jahr wurde ein größeres Konzert veranstaltet. Außer diesen, meist im Frühjahr oder Herbst durchgeführten Konzerten, wurde fast jährlich ein Advents- bzw.
Weihnachtskonzert gegeben. Der Erfolg unserer Aufführungen war an der stets großen Zuhörerresonanz festzustellen. Je nach Art der Konzerte wirkten das Akkordeonorchester Bockum-Hövel, die Mandolinenorchester
Herringen und Bockum-Hövel, der Jagdbläserchor und der Posaunenchor der Johannes-Gemeinde mit. Die Advents- und Weihnachtskonzerte der letzten 8 Jahre wurden in wechselseitiger Zusammenarbeit mit den von unserem
jetzigen Chorleiter, Michael Tegethoff, betreuten Chöre aus Welver, Werne, Lipperode, Lipperbruch und Overhagen gestaltet. Außerdem beteiligte sich der Chor des öfteren an der Gestaltung der Messen in verschiedenen
Kirchen, auch in der Barbara-Klinik und an Freundschaftssingen bei anderen Chören. In der Justizvollzugsanstalt wurden einige Konzerte mit dem Akkordeonorchester Bockum-Hövel gegeben. Um älteren und kranken Menschen
eine kleine Freude zu bereiten hatten wir in diesem Zeitraum zahlreiche Auftritte in Altenheimen und Krankenhäusern. Bei Konzert-Veranstaltungen des Sängerkreises hat der Chor oft mitgewirkt. Auch bei Bezirksfesten,
beim Neujahrsempfang unseres Stadtteils und zur Landesgartenschau gaben wir einige Liedvorträge. Am Tag des Liedes leisteten wir auch stets unseren Beitrag. Mit dieser Bilanz kann der Verein mehr als zufrieden
sein, denn fünf bis acht Auftritte jährlich, außer den zwei größeren Konzerten, waren die Regel; im Jahr1981 trat der Verein sogar15 mal an die Öffentlichkeit. Das Weihnachtskonzert in der Kirchengemeinde Herz Jesu
im vergangenen Jahr wurde auf Schallplatte aufgenommen. Außerdem beteiligte sich der Chor an einer Schallplattenaufnahme von mehreren Gesangvereinen und Instrumentalgruppen in der Sachsenhalle, die von der Stadt
Hamm organisiert wurde. Eine Veranstaltung sollte besonders hervorgehoben werden. Im Jahr1974 wurde im großen Saal des Kurhauses unter der Trägerschaft der Stadt Hamm gemeinsam mit dem Akkordeonorchester
Bockum-Hövel ein Unterhaltungsabend gestaltet. Der Erlös kam der ”Aktion Sorgenkind” zugute. Nicht nur dieser Fall zeigt, dass die Sängerinnen und Sänger des Chores nicht nur den Frohsinn lieben, sondern dass sie
auch Verständnis für die Sorgen und Nöte der Mitmenschen aufbringen. So wurden von dem Verein und von den Angehörigen des Chores für die ”Welthungerhilfe”, aber auch für die Lebenshilfe in unserer Stadt, Spenden in
ansehnlicher Höhe erbracht.
Mit ein bisschen Stolz kann man auch von der Polenfahrt berichten. In diesem Fall ist die besondere Aktivität des jetzigen 1. Vorsitzenden, Rudolf Gassmann, hervorzuheben. Die
Idee wurde geboren, als unsere 1. Schriftführerin, Agnes Weimann, die Schwiegereltern in Oberschlesien, im ehemaligen Gleiwitz, besuchte und nach ihrer Rückkehr von den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen der
Bevölkerung berichtete. Der Verein fasste sofort den Entschluss zu helfen und bat in der Tageszeitung um Spenden. Die Vereine, politische Parteien und die Kirchengemeinden in unserem Stadtteil wurden persönlich
angesprochen. Es war eine Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung sich alle Mitglieder des Chores an dieser Aktion mit Spenden beteiligten und mit welchem Eifer die Sangesschwestern Geschenkpakete schnürten.
Erfreulich war auch das Ergebnis, denn außer den Sachspenden (Lebens- und Reinigungsmittel sowie Medikamente) waren noch 3000,- DM auf dem Spendenkonto eingegangen. Insgesamt hatten die Spenden einen geschätzten
Wert von etwa 15.000,- DM. Nicht vergessen sei der große Einsatz und die Spendenfreudigkeit der Klasse 8 b von der Peter-Petersen-Hauptschule in Wiescherhöfen unter ihrem Lehrer Dieter Brauer, einem
Schwiegersohn unseres verstorbenen Ehrenchorleiters Adolf Mühlenschulte. Für die Fahrt wurde vom Verein ein LKW geliehen. Am 30. März 1982 traten Rudolf Gassmann und der 2. Vorsitzende, Josef Ringelkamp, mit dem
leicht überladenen L KW die Fahrt nach Polen an. Beide nahmen gern die Strapazen auf sich und opferten dafür auch noch einen Teil ihres Jahresurlaubes. Nach16 Stunden über zum Teil sehr schlechte Straßen und nach 8
Kontrollen durch Militär- und Zivilstreifen erreichte man den Zielort Laband bei Gleiwitz. Der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Marien, Ernst Janaszka, nahm die Spende mit großer Freude entgegen. Erfreut
waren auch die Kinder, die nach der Sonntagsmesse je eine Tafel Schokolade von unseren zwei Fernfahrern bekamen. An unserer 94 Jahre alten Vereinsfahne hatte die Zeit tiefe Spuren hinterlassen. Während die Unterlage
und die Stickereien in einem noch guten Zustand waren, zeigte die Seide zwischen den Stickereien erhebliche Schäden. Vielerlei Vorschläge, unter anderem auch der unseres 1. Vorsitzenden, das Fahnentuch in kleinen
Stücken an die Vereinsmitglieder zu verkaufen, um damit zur Finanzierung für die Neubeschaffung beizutragen, brachte letztendlich wohl nicht das richtige Ergebnis. Man wollte sich nicht von der alten, so
traditionsreichen Fahne trennen, und man kam zu dem Entschluss, die alte Fahne restaurieren zu lassen. Die Weihe der von einer süddeutschen Firma erneuerten Fahne war 1985 und wurde von Pfarrer Hertwig von der
Herz-Jesu-Gemeinde vorgenommen. Schirmherr der Veranstaltung war unsere Oberbürgermeisterin Sabine Zech. Sechs befreundete Chöre gaben dieser Weihestunde auf dem Festplatz des Allgemeinen Schützenvereins
Hamm-Nordenfeldmark 1925 den würdigen musikalischen Rahmen. Nach der besinnlichen Handlung kamen Freude und Frohsinn nicht zu kurz! Es war ein schöner Tag. Wie bekannt, sind Sängerinnen und Sänger keine Kinder
von Traurigkeit, unser Chor macht da keine Ausnahme. Die alljährlichen Karnevalsveranstaltungen im Vereinslokal waren einer der Höhepunkte des Jahres. Ausflüge, Frühlings- und Herbstfeste wurden jährlich
veranstaltet, sehr zur Freude der Chormitglieder. Als Höhepunkt der geselligen Veranstaltungen kann man aber die Teilnahme des Vereins an dem Karnevalszug in der Innenstadt im Jahre1982 bezeichnen. In zahlreichen
Stunden wurde ein Festwagen in der Form eines Schiffes von uns gebaut, der bei dem Umzug großen Anklang bei der närrischen Bevölkerung fand. Eine Fußgruppe, bestehend aus Sängerinnen in originellen Kostümen,
begleitete den Wagen und wurde von den an der Straße stehenden Narren mit grol3er Begeisterung aufgenommen. Es war ein Erlebnis, das gezeigt hat, dass man außer singen auch noch Spaß an der Freud haben kann.
Leider bleibt auch ein Verein, bei dem im Vordergrund der Gesang und Frohsinn stehen, nicht von traurigen Ereignissen verschont. So starb1982 unser damaliger 1. Vorsitzender Bernhard Redicker. Als 1.
Schriftführer hat er dem Verein in Folge 25 Jahre gedient, anschließend war er neun Jahre 1. Vorsitzender. Eine Bilanz, wie sie wohl selten ein Sänger aufzuweisen hat. Mit ganzem Herzen hat er sich für die Belange
des Vereins eingesetzt, so dass man zu Recht sagen kann, ”er hat sich um den Verein verdient gemacht”! Das gleiche kann man von unserem Ehrenchorleiter Adolf Mühlenschulte sagen, der 1987 verstarb. Mit
einmaligem Idealismus hat er den Chor auf dem musikalischen Sektor 30 Jahre geleitet. Sein Leben war Musik, kein Opfer war ihm dafür zu groß. Er war bei uns nicht nur ein Chorleiter, der wöchentlich seine
Gesangsstunden abhält, er war unser Freund, er war einer von uns. Neben unserem Chor leitete er auch noch mehrere Kirchenchöre und war Organist in der Gemeinde Maria Königin. Für seine Verdienste wurde er mit dem
Wappenteller der Stadt Hamm ausgezeichnet. Vom Verein wurde er nach Beendigung seiner aktiven Tätigkeit zum Ehrenchorleiter ernannt. Nicht zu vergessen ist, dass Adolf Mühlenschulte das Doppelquartett unseres
Vereins im Jahr1963 ins Leben gerufen hat. Schon nach kurzer Zeit war diese, aus dem Chor zusammengestellte Gesangsgruppe, weit über die Hammer Stadtgrenze hinaus, bekannt. Auch unter unserem jetzigen Chorleiter ist
das Doppelquartett in den alljährlichen Konzerten regelmäßig mit einigen Darbietungen vertreten, sehr zur Freude der Zuhörer! Dass unser Verein wieder einmal eine glückliche Hand bei der Auswahl des Chorleiters
hatte, zeigte sich, als Herr Tegethoff nach dem Ausscheiden des Herrn Kaiser, der nach 2jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, erklärte, den Chor zu übernehmen. Dieser junge, durch sein
umfangreiches Musikstudium hochqualifizierte, dynamische Chorleiter hat in den fast zehn Jahren seiner Tätigkeit für unseren Chor erhebliches geleistet. Seine offene Art hat dazu geführt, dass er auch als Mensch
voll zu uns gehört. Besonders erfreulich ist, dass seit Beginn seiner Tätigkeit mehrere junge Sängerinnen und Sänger in unseren Chor eintraten und bei uns von der allgemeinen Sorge der Überalterung zur Zeit
keine Rede sein kann! Mit der goldenen Vereinsnadel und der goldenen Ehrennadel des Deutschen Sängerbundes für über 40jährige Mitgliedschaft im Verein wurden 1987 bei einem Sängerfest die Sangesbrüder Rudolf
Gassmann, Hans Erkeling und Bernhard Kuhlbusch ausgezeichnet. Nach 25 Jahren musste der Chor das alte Vereinslokal aufgeben wegen Wechsel des Besitzers und einer für uns ungünstigen Umgestaltung des Lokals.
Unser neues Domizil ist seit Herbst 1987 die Gaststätte ”Jägerhof”, Bockumer Weg 280. Von dem Besitzer H. Hagedorn wurden wir gut aufgenommen, und man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass dieser Wechsel nicht zum
Schaden des Vereins war! Hiermit enden 100 Jahre Vereinsgeschichte - überwiegend gute, aber auch schwere Jahre sind Vergangenheit!
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